„Judith und Lisa“ – Buchprojekt der Ethikgruppe


„Freunde sind wichtig“ singen die 14 Mädchen und Jungen am Anfang einer jeden Ethikstunde. In den vergangenen Wochen beschäftigten wir uns mit einer ganz besonderen Freundschaft. Mithilfe des Buches „Judith und Lisa“ von Elisabeth Reuter lernten wir zwei Mädchen kennen, die 1932 irgendwo in Deutschland gemeinsam eingeschult und in der Folgezeit beste Freundinnen wurden. Lisa und ihre jüdische Nachbarin Judith, deren Eltern eine Apotheke betreiben, sind unzertrennlich: In der Klasse sitzen sie nebeneinander, auch die Nachmittage verbringen sie meistens gemeinsam. Mit der Machtergreifung Hitlers 1933 ändert sich ihre heile Welt. Judith wird mehr und mehr ausgegrenzt und von besonderen Klassenaktivitäten ausgeschlossen. Im Deutschunterricht werden judenfeindliche Parolen gelernt und Bücher wie der „Giftpilz“ gelesen, in denen Menschen jüdischen Glaubens beleidigt und verunglimpft werden. Durch die Geschichte von Judith und Lisa tauchten wir als Ethikgruppe in die bedrückende Welt der NS-Zeit ein. Einiges erinnerte uns an unsere eigenen Erfahrungen, wie etwa „Mobbing“, Anfeindungen oder Ausgrenzung in der Schule oder in der Freizeit. Allerdings wurde deutlich, dass zur Zeit des „Nationalsozialismus‘“ die Ächtung und Ausgrenzung bestimmter Menschen mit dem ausdrücklichen Willen des Staates passierte und auch Lehrerinnen und Lehrer aktiv dazu aufriefen. Das ist in unserer Demokratie zum Glück anders. Allerdings zeigen gerade die jüngsten Vorfälle in deutschen Fußballstadien, dass Herabwürdigungen und Beleidigungen von Menschen immer noch vorkommen.
Die Geschichte von Judith und Lisa endet mit der Deportation der jüdischen Apothekerfamilie im Zuge der sogenannten „Reichskristallnacht“. Lisa weiß nicht, was mit ihrer Freundin Judith passiert ist. Ihr ist es auch nicht erlaubt, nach ihr zu fragen. Aber in ihrem Herzen kann und will sie ihre Freundin Judith nicht vergessen. Das Buch endet mit dem traurigen Satz:
„Lisa schaute jedes Mädchen aufmerksam an, das einen gelben Stern trug. Aber so sehr sie auch suchte, sie fand Judith niemals wieder.“
Auf die Frage, was man aus der Geschichte von Judith und Lisa für die heutige Zeit lernen könne, antwortete eine Schülerin der Ethikgruppe:
„Ich habe gelernt, dass kein Mensch illegal ist.“  –  Wie wahr!